
Drohnenabwehr in Österreich
Hier ist das vollständige Transkript des Beitrags aus dem Ö1 Mittagsjournal vom 12. Februar 2026, basierend auf den vorliegenden Quellen:
Moderator
Das vergangene Jahr war vielfach von Drohnenvorfällen geprägt. EU-weit haben Drohnensichtungen Flughäfen lahmgelegt – Brüssel, München, Berlin, Kopenhagen oder Oslo, um nur einige zu nennen. Das hat die Diskussion über eine Drohnenabwehr befeuert, in der EU, aber auch in den Nationalstaaten. In Deutschland wurde Mitte Dezember ein neues Drohnenabwehrzentrum eröffnet, um die bis dahin zersplitterte Drohnenerkennung und Abwehr zu bündeln. In Österreich wird an einer nationalen Drohnenabwehrstrategie gearbeitet. Veronika Mauler berichtet.
Veronika Mauler
Mehrere Akteure arbeiten an der gesamtstaatlichen Drohnenschutzstrategie. Neben dem Innen- und dem Verteidigungsministerium auch das Verkehrsministerium und Vertreter aus der Wirtschaft, sagt Bernhard Treibenreif, der Leiter der zuständigen Direktion für Spezialeinheiten (DSE) im Innenministerium.
Bernhard Treibenreif
Ein Vorschlag aus dieser Arbeitsgruppe wird sein, dass wir alle Drohnen meldepflichtig machen. Das heißt, derzeit haben wir die Unterscheidung nach Gewichtsklassen, und hinkünftig überlegen wir, ob wir uns ein gesamtes Drohnen-Luftbild zulegen wollen. Und dann müssten alle Drohnenbetreiber ihren Drohnenflug anmelden.
Veronika Mauler
Der Staatssekretär im Innenministerium, Jörg Leichtfried von der SPÖ, sagt dazu:
Jörg Leichtfried
Es würde aus meiner Sicht schon Sinn machen, mit den Gewichtsgrenzen hinunterzugehen bei der Registrierung. Und registrierte Drohnen sind ja Drohnen, die dann auch technisch nicht in der Lage sein können, in Flugverbotszonen einzufliegen. Das heißt, es wäre schon ein großer Fortschritt.
Veronika Mauler
Bei der Drohnenabwehr müsse man das Rad nicht neu erfinden. Verteidigungsministerin Claudia Tanner von der ÖVP sagt:
Claudia Tanner
Wir haben von der Kompetenz, glaube ich, und auch das kann sich durchaus europaweit sehen lassen, Zuständigkeiten sehr genau auch geregelt, aber all das muss zum einen mal geübt, trainiert werden, die Abläufe auch besprochen werden.
Veronika Mauler
Ein Großereignis, das sich dafür gut eignet, ist der Song Contest. Es sei Usus, dass bei jeder Großveranstaltung Drohnenabwehrmaßnahmen gesetzt werden, sagt Bernhard Treibenreif.
Bernhard Treibenreif
Jetzt schauen wir auch im Verbund mit den Betreibern kritischer Infrastruktur, dass wir auch die Wirtschaft vermehrt reinholen, um auch hier gewisse Hotspots zu definieren, die wir dann wahrscheinlich automationsunterstützt schützen werden.
Veronika Mauler
Die zuständige Stelle im Bereich der Sicherheitsbehörden sei die Direktion für Spezialeinheiten. Man müsse diese Stelle also nicht neu gründen wie in Deutschland. Ab wann das Bundesheer im Rahmen eines Assistenzeinsatzes hinzugezogen wird, diese Schnittstelle werde jetzt noch genau definiert. Und ich bin jetzt mit dem Drohnenexperten Oberst Markus Reisner vom Bundesheer verbunden. Willkommen im Mittagsjournal.
Oberst Markus Reisner
Grüß Gott. Herzlichen Dank für die Einladung.
Moderator
Herr Oberst, mit den politischen Stellungnahmen, die wir da gerade gehört haben, sollte man den Eindruck bekommen, alles wunderbar bei der Drohnenabwehr in Österreich. Aber Hand aufs Herz: Ist das so?
Oberst Markus Reisner
Ja, ich muss sogar wirklich sehr positiv erwähnen – und das sage ich Ihnen als Experte, der sich damit befasst –, dass wir wirklich schon vorausschauende Entscheidungen vor einigen Jahren getroffen haben, die uns jetzt absolut zugute kommen und uns herausstechen lassen in Europa. Zum Beispiel im konkreten Fall des Bundesministeriums für Landesverteidigung hat sich die Ressortführung, also die Frau Minister, schon vor Jahren darüber informiert und hat dann die Maßnahmen getroffen, die jetzt gerade eintreffen und die uns in die Lage versetzen, in sehr kurzer Zeit Fähigkeiten zu haben, die in Europa ihresgleichen suchen.
Moderator
Drohnenabwehr ist mit dem Ukrainekrieg in der Öffentlichkeit vor allem ein militärisches Thema. Heute haben wir viel über zivile Drohnenabwehr gehört, also durch die Sicherheitsbehörden. Haben die schon die Mittel in der Hand, beispielsweise rund um den Song Contest, der im Mai in Wien stattfindet, eine mögliche Drohnengefahr abzuwenden, abzuwehren?
Oberst Markus Reisner
Ja, Sie haben völlig recht. Wenn ich das Wort Drohne ausspreche, dann hat jeder von uns ein anderes Bild im Kopf. Ich habe vielleicht jetzt eine militärische Drohne im Kopf, die aus großer Entfernung abgeflogen werden kann. Wir haben vielleicht jetzt eher die kleineren Drohnen sofort im Augenschein. Wichtig ist zu unterscheiden zwischen drei Bereichen:
Das erste ist das Schaffen des Lagebildes. Hier gibt es also bereits jetzt sehr gute Fähigkeiten auch im Bereich des BMI. Es gibt aber natürlich auch noch verbesserte Fähigkeiten im Bereich des Bundesministeriums für Landesverteidigung und des Bundesheeres.
Und dann gibt es natürlich die sogenannten passiven Maßnahmen. Da kommt auch die Privatwirtschaft ins Spiel, die Betreiber von kritischer Infrastruktur oder auch die Veranstalter von Großveranstaltungen.
Bei aktiven Maßnahmen haben wir dann all diese Effekte, die zum Beispiel durch Teile des BMI oder auch das BMLV punktuell eingebracht werden können, und da haben wir schon einiges beieinander.
Moderator
Das heißt eben noch einmal auf die Frage zurückzukommen: Wir haben die Mittel in der Hand, um so zum Beispiel rund um den Song Contest eine mögliche Drohnengefahr abzuwehren?
Oberst Markus Reisner
Richtig. Das Phänomen der Drohnenbedrohung ist ja jetzt kein neues. Es ist einfach nur verstärkt in unseren Blickpunkt eingetreten, weil es aufgrund der hybriden Kriegsführung in Europa zu mehr Vorfällen kam. Aber tatsächlich ist es so, dass die verantwortlichen Stellen schon seit Jahren sich mit diesem Thema befassen und auch Beschaffungsmaßnahmen getroffen haben, die uns bereits in die Lage versetzen, für diese kleinen Drohnen entsprechende Maßnahmen treffen zu können. Was jetzt noch relevant ist, ist eine bessere Vernetzung, ein besserer Austausch, vielleicht auch eine strenge Regeldurchsetzung, was Drohnen und Drohnenregistrierung betrifft.
Moderator
Wann und wie im Fall des Falles das Bundesheer beigezogen wird, haben wir auch gehört. Diese Schnittstelle wird erst definiert. An Schnittstellen kann aber viel an Effizienz und Wirksamkeit verloren gehen. Worauf kommt es denn da an?
Oberst Markus Reisner
Ja, es kommt darauf an, dass wir vor allem mit den entsprechenden Kräften im notwendigen Raum in der entsprechend kurzen Zeit basierend auf einer Information Hilfe zur Verfügung stellen. Und da muss man schon ganz klar sagen, auch von den Rechtsmaterien her: Wir haben mit der Möglichkeit des Assistenzeinsatzes in Österreich ein wirklich sehr wirkungsvolles Instrument, das sich immer wieder bewährt hat, zum Beispiel in der Coronakrise. Basierend auf diesen Erfahrungen der gemeinsamen Zusammenarbeit kann man also auch in Zukunft sehr gut reagieren. Was jetzt noch wichtig ist, ist einerseits die Sensibilisierung, die Fähigkeitsdarstellung, aber auch die Prävention. Und da gehören alle Player an den Tisch, und das passiert ja auch bereits im Rahmen dieser Arbeitsgruppe, die regelmäßig tagt.
Moderator
Werfen wir noch einen Blick auf die militärische Drohnenabwehr. Da gibt es ein großes Beschaffungsprogramm von elektronischen Störsendern über Kamikaze-Drohnen bis zu den sogenannten Skyrangern, die auf Panzern montiert werden. Wie weit ist das Bundesheer mit der Beschaffung? Wie weit ist es für eine wirksame Drohnenabwehr gerüstet?
Oberst Markus Reisner
Genau das ist es, was ich am Beginn erwähnt habe. Durch die vorausschauenden Entscheidungen der Ressortführung ist es uns gelungen, gerade auch dieses Jahr die ersten wirklichen Erfolge darstellen zu können. Wir haben Wirkmittel für den sogenannten Nächstbereich (bis zu 5 km): Da haben wir dieses Jahr das erste Abnahmeschießen mit der 35-mm-Fliegerkanone. Wenn das fertig ist, sind wir einzigartig in Europa. Wir haben den sogenannten Nahbereich (bis zu 15 km): Da haben wir die Lenkwaffe Mistral. Und dann wird überlegt, auch in den mittleren und großen Bereich vorzustoßen, also 50 km und darüber, mit entsprechenden Lenkwaffen. Aber das, was wir jetzt zum Schutz von Großveranstaltungen und dem Bedrohungsbild entsprechend brauchen, ist im Nahbereich sehr gut abgedeckt. Da haben wir wirklich die richtigen Entscheidungen zu einer frühen Zeit getroffen.
Moderator
Sagt der Drohnenexperte Oberst Markus Reisner. Danke, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.
Oberst Markus Reisner
Herzlichen Dank für Zeit und Vertrauen.
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